Kurt Weill, ca. 1901
Kurt Weill, ca. 1901


Emma Weill mit Sohn Kurt
Emma Weill mit ihrem Sohn Kurt


Weill-Kinder
Die vier Weill-Kinder: Hanns, Nathan, Kurt (vorne), Ruth


Kurt Weill
Kurt Weill am Klavier, Dessau, 1919


Kurt Weill
Kurt Weill um 1923


Familienfoto
Familienfoto, Sommer 1926
Lotte Lenya rechts, dahinter Kurt Weill


Familienfoto
Kurt Weill um 1930


Kurt Weill
Kurt Weill in Wien, 1933


Kurt Weill
Kurt Weill in Salzburg, 1935


Weill und Lenya
Kurt Weill und Lotte Lenya, 1938/39


Weill am Klavier
Arbeit mit Lotte Lenya in New City, 1942


Ausstellung
Kurt Weill am Brook House um 1947



Weills Leben



2. März 1900
Geburt in Dessau als Sohn des jüdischen Kantors.
1906
Beginn der Schulzeit in Dessau.
1909 – 1918
Besuch der Herzoglichen Friedrichs-Oberrealschule.
1913
Erste erhaltene Komposition Mi Addir. Jüdischer Trauungsgesang
1915 – 1918
Studium bei Albert Bing, dem 1. Kapellmeister des Herzoglichen Hoftheaters zu Dessau.

April 1918 bis
Juli 1919
Studium an der Hochschule für Musik (u.a. Komposition bei Engelbert Humperdinck) und der Friedrich Wilhelm Universität in Berlin. Weill bricht das Studium ab und kehrt nach Dessau zurück

ab Ende
August 1919
Korrepetitor am Dessauer Friedrich-Theater.
Dezember 1919 –
Mai 1920
Kapellmeister am neugegründeten Stadttheater in Lüdenscheid.
1921 – 1923
Rückkehr nach Berlin und Studium als Meisterschüler bei Ferruccio Busoni, der für die junge Generation als einer der bedeutendsten Komponisten des frühen 20. Jahrhunderts gilt.

1924
Weill lernt den berühmten expressionistischen Dramatiker Georg Kaiser kennen. Im Hause Kaisers begegnet Weill Lotte Lenya.

1925
Weill zieht mit Lotte Lenya zusammen.
1926
Lotte Lenya und Kurt Weill heiraten. Weills erste Oper nach einem Libretto von Georg Kaiser Der Protagonist wird am 27. März an der Dresdner Staatsoper uraufgeführt.

1927
Auf der Suche nach einem geeigneten Libretto kommt es Ende April zur ersten Arbeitsbegegnung mit Bertolt Brecht.
Erstes gemeinsames Produkt dieser Zusammenarbeit ist das Songspiel Mahagonny, dessen Uraufführung auf dem Festival in Baden-Baden einen Skandal auslöst.

Mai 1928
Mit Lotte Lenya, Brecht und Helene Weigel reist Weill an die französische Riviera. Hier entstehen große Teil der Dreigroschenoper , die am 31. August am Berliner Theater am Schiffbauerdamm uraufgeführt wird.
Die Besucher der Premiere ahnen nicht, dass sie dem größten Theatererfolg des 20. Jahrhunderts beiwohnen.

1929
Die Zusammenarbeit mit Brecht wird fortgeführt, u.a. mit Happy End, dem Berliner Requiem, dem Lindberghflug und der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny.

1930
Die Uraufführung der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny am 9. März in Leipzig gerät zu einem der größten Theaterskandale der Weimarer Republik. Dabei kommt es zu organisierten Störaktionen

1931
Endgültiger Bruch der Zusammenarbeit zwischen Weill und Brecht.
1932
Weill kauft ein Haus und zieht in den Berliner Vorort Kleinmachnow. Im Verlauf der Wiener Aufführung von Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny lernt Lotte Lenya den Sänger Otto Pasetti kennen und beschließt, mit ihm zusammenzuleben.

1933
Nach wiederholten Attacken der Nazipresse und gelenkten Protestaktionen verlässt Weill am 21. März Deutschland und emigriert nach Frankreich. Die Scheidung mit Lotte Lenya wird am 18. September rechtskräftig.

1934
Beginn der Zusammenarbeit mit Max Reinhardt und Franz Werfel für das Bibeldrama Weg der Verheißung (Eternal Road), das in New York aufgeführt werden soll.

1935
Am 4. September verlässt Weill mit Lotte Lenya Europa auf dem Schiff Majestic in Richtung den Vereinigten Staaten von Amerika, um in New York die Proben von Eternal Road zu begleiten. Weill und Lotte Lenya werden in den USA bleiben und schließlich auch Staatsbürger der Vereinigten Staaten werden.

1936
Weills erstes amerikanische Musical Johnny Johnson für den Broadway wird am 19. November uraufgeführt. Seine Musik erhält viel Anerkennung.

1937
Am 7. Januar wird das monumentale Bibeldrama Eternal Road nach mehreren Verschiebungen uraufgeführt. Zwölf Tage später heiraten Weill und Lenya ein zweites Mal.

1940
Weill arbeitet mit Ira Gershwin, Bruder des Komponisten George Gershwin, und dem Dichter Moss Hart an dem Musical Lady in the Dark.

1941
Lady in the Dark wird am 23. Januar mit Gertrude Lawrence uraufgeführt. Das Musical erlebt mit 467 Aufführungen einen großen Erfolg am Broadway und wird später in Hollywood verfilmt.

1943
Mit 567 Aufführungen wird Weills Musical One Touch of Venus erneut ein großer Broadway-Erfolg. Das Musical wird zwei Jahre später in Hollywood verfilmt.

1947
Arbeit an der Oper Street Scene, die am 9. Januar in New York uraufgeführt wird.

1949
Arbeit mit dem Dichter Maxwell Anderson an Weills letztem vollendeten Bühnenwerk Lost in the Stars , das am 30. Oktober uraufgeführt wird.

1950
Plan und erste Arbeiten an einer Musicalfassung von Mark Twains Huckleberry Finn.
Am 3. April stirbt Kurt Weill im Flower Hospital in New York nach vierzehntägiger Krankheit

 






„Ich stamme aus einer jüdischen Familie, die ihre deutsche Vergangenheit bis auf das Jahr 1340 zurückleiten kann.“

Kurt Weill in einem Zeitschrifteninterview, 1942




„An einem Nachmittag stellte mir Busoni einen kleinen, stillen Menschen von etwa zwanzig Jahren vor. Hinter Brillen leuchten, flackern zwei Augensterne. Im Gespräch enthüllte sich ein ungemein ernster, zielbewusster, charakterhafter Mensch.“

Rudolf Kastner, 1925
Quelle: Musikblätter des Anbruch, 7, 1925




„Kurt Weill ist ein kleiner, untersetzter Herr, fast ganz kahl und mit großen, runden, braunen Augen hinter den dicken Brillengläsern – träumerischen, nicht aber melancholischen Augen.“

Ole Winding
über Kurt Weill 1934
Quelle: Berlingske politiske og Avertissements-Tidende, Kopenhagen, 21. Juni 1934




„Das äußere Erscheinungsbild täuscht nicht selten. Das trifft auch für den behäbig wirkenden, gelangweilt dreinschauenden Mr. Kurt Weill zu. Der junge deutsche Komponist wirkt geistesabwesend. Des öfteren erscheint jener abwesende Ausdruck des Tagträumers in seinem Gesicht. Einem fast jungenhaften Gesicht übrigens, und nur der Umstand einer „sehr hohen Stirn“ lässt sein Insistieren plausibel erscheinen, er habe jüngst seinen 37. Geburtstag gefeiert. Dann stellt man jedoch sehr schnell fest, dass es wohl einer ganzen Menge an Streitbarkeit, Direktheit und Entschlossenheit (die er auch in unserem Gespräch höflich, aber unmissverständlich zeigt) bedurft haben musste, damit Weill von 1929 bis 1933 das musikalische enfant terrible No. 1 in einem Deutschland sein konnte, in dem damals die Intoleranz gefährlich zunahm.

Namenloser Zeitungsbericht, 1937
Quelle: Pacific Coast Musician, Los Angeles 3. Juli 1937

 

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